Es war einmal ein Husky. Er war jung und er war wild. Und einsam. Jeden Tag, wenn seine Besitzerin arbeiten ging, war ihm zum Heulen zumute. So wurde er zuerst zum Receptionshund, und später zum Hühnermörder. Ein nicht sehr löblicher Titel. Doch dann kam noch ein Husky. Der junge Wilde war froh. Endlich eine Freundin, die den ganzen Tag nur Augen für ihn hatte! Sie verstanden sich prächtig und jagten die Hühner fortan gemeinsam.
Doch dann kam die Wende. Der Umzug. Weg von den Hühnern, hin zu Elchen und Rentieren. In die norwegischen "Highlands", nach Røros. Ein Mekka für Schlittenhundefahrer, sogenannte Musher, sagte die Besitzerin. Die zwei Huskies glaubten ihr gerne: Sie sahen Schnee soweit das Auge reichte und fühlten Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt. Sie trippelten nervös vor ihren Hütten, bereit für ein Abenteuer.
Sie wussten noch nicht, dass sie sich nicht nur zu zweit ins Abenteuer stürzen würden.
An Ostern war es soweit: Acht neue Hunde kamen an! Der junge Wilde, inzwischen etwas älter geworden, doch noch immer sehr wild, wusste schon bald, dass etwas vor sich geht. Die Besitzerin begann plötzlich ganz eifrig Hundehütten zu bauen. Sie stellte eine neben seiner hin. Die neue Bewohnerin gefiel ihm! Eine schwarze exotische Schönheit mit langen Beinen und blau-gesprinkelten Augen. Er lag vor seiner Hütte, Tag und Nacht. Manchmal kam sie aus ihrer Hütte heraus. Sie spielten gemeinsam doch schon bald zeigte sie ihm wieder die kalte Schulter. Er aber liess nicht locker. Er hatte sich verliebt.
Was um ihn herum geschah, interessierte nicht so sehr. Zwar fiel ihm auf, dass er nicht mehr der einzige war, der seine Hütte markierte, also mussten da noch andere Rüden sein. Doch er hatte nur Augen für die eine.
Doch die Besitzerin machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Sie zog in ein neues Haus und trennte ihn und seine Angebetete. Als ob sie getrennt werden könnten! Seine Schönheit - unterdessen doch auch Feuer und Flamme für ihn - riss sich los, lief an allen anderen Junggesellen vorbei und stattete ihm einen Besuch ab. Endlich! Die Freude war überschwänglich, vielleicht sogar so sehr, dass bald neues Leben entsteht wird.
Dies ist die Geschichte von Anker, dem Schlittenhund. Mit seinen blauen Augen und seinem Temperament hat er seine Besitzerin verzaubert. So sehr, dass sie sich zum Ziel gesetzt hat, ab kommendem Winter Schlittenhunderennen zu fahren. Den Weg dorthin, wird sie hier erzählen. Willkommen bei Husky Creek!
